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Comeback für Dekore
Nach Jahren des Minimalismus hat vor allem die italienische Fliesenindustrie ein Comeback der Dekore forciert mit Erfolg. Gründe dafür waren einerseits die Wichtigkeit der Dekore für den Umsatz und andererseits die Tatsache, dass Kreativität nicht nur über die Grundfliese transportiert werden kann.
Dass Keramikfliesen als Verkleidungsmaterial für Boden- und Wandflächen zu den qualitativ hochwertigsten Materialen gehören und eine enorme Widerstandfähigkeit aufweisen, kann man eigentlich nicht oft genug betonen. Dass die Fliese darüber hinaus in der Lage ist, unter Beibehaltung ihrer hohen technischen Widerstandfähigkeit eine Vielzahl von Belagsmaterialien optisch und ästhetisch zu imitieren und zu reproduzieren macht sie im Grunde einmalig unter vergleichbaren Verkleidungsmaterialien.
Die Vielgesichtigkeit der Keramikfliese beruht letztendlich auf der Entwicklung von Technologien, die die Fertigung von unterschiedlichen Dekoren und Oberflächen möglich machen. Gerade die Dekore haben in den vergangenen Jahren eine interessante Entwicklung durchlaufen. Waren Wandbeläge traditionell durch Grundfliese und Dekore klar strukturiert, wurden letztere durch den Minimalismus praktisch überflüssig. Im nüchternen Farb- und Formenkosmos des Minimalismus verloren die Dekore ihre zentrale Bedeutung.
In den vergangenen Jahren forcierte insbesondere die italienische Fliesenindustrie ein Comeback der Dekore. Grund hier waren einerseits die Wichtigkeit der Dekore für den Umsatz und zweitens die Tatsache, dass die spricht wörtliche, italienische Kreativität nicht nur über die Grundfliese transportiert werden kann. Beide Argumente gelten dabei auch für den Handel, denn schöne Fliesen bringen nun ´mal mehr Umsatz.
Nach sehr opulenten und luxuriösen Dekortendenzen sind die Wandkollektionen in dieser Saison wesentlich nüchterner gestaltet. Zeichnungen und Strukturen geben sich weniger schrill und insgesamt verkäuflicher. Dezente Gestaltungen Ton-in-Ton waren sehr häufig zu sehen. Daneben auch Schwarz-Weiß-Kombinationen, die einen klassischen Geschmack bedienen und im Grunde zeitlos sind.
Oberflächen zum Anfassen
Gleiches gilt auch für die Oberfläche der Bodenfliesen, die in manchen Fällen eine dekorative Funktion hat, und dem Produkt eine individuelle Ausstrahlung verleiht. Egal ob Stein, Marmor, Holz oder textile Anmutung: Die Bearbeitung der Oberfläche ist eine der Schlüsseltechnologien in der italienischen Keramikindustrie. Neben natur-belassenen Oberflächen nimmt das Angebot an so genannten "geläppten" oder "lappato" Produkten zu, die mechanische bearbeitet werden und eine leicht gewellte Oberfläche aufweisen.
Steinimitationen bilden schon seit Jahren ein eigenes Segment in den Sortimenten der italienischen Fliesenindustrie und werden durch eine stetige Weiterentwicklung von Jahr zu Jahr aktualisiert. Neben der Struktur und der farblichen Anmutung der Oberfläche arbeiten die Unternehmen auch an Licht- und Glitzereffekten, die dem keramischen Material eine noch natürlichere Ausstrahlung verleihen, die je nach Lichteinfall und Tageszeit variiert.
Zu den aktuellsten Entwicklungen gehört seit wenigen Jahren die digitale Dekoration von Fliesen sowohl im Boden als auch im Wandbereich. Die Technik eröffnet neue Möglichkeiten bei der Reproduktion von Oberflächen und Dekoren in hohen Auflösungen. Hinzukommen keramische Fliesen in Stärken von vier Millimetern aufwärts, die jetzt auch trocken gepresst in viele Sortimente aufgenommen sind, und von der Industrie in den kommenden Monaten im Markt vorgestellt werden.
Neben den bereits bekannten "Laminam"-Produkten des gleichnamigen Herstellers gibt es damit zwei unterschiedliche Typologien von dünnen keramischen Materialien. Bedingt durch die geringere Stärke machen diese Materialien eine Strukturierung und Dekorierung der Oberfläche schwieriger. Neue technische Lösungen und die langjährige Erfahrung der italienischen Entwicklungslaboratorien werden auch hier bald mit neuen Ansätzen aufwarten.
Uwe Leppert, CARO-Italienkorrespondent


